Ein schönes Hotel. Und trotzdem komme ich nicht wieder.

Eigentlich bin ich ein großer Fan von Hotels.
Ich mag die Freiheit. Ich mag es, unabhängig zu sein. Und ich mag Unterkünfte, in denen man das Gefühl hat, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.
In diesem Sommer wollten wir aber einmal etwas anderes. Einfach ankommen, den Alltag hinter uns lassen und uns ein paar Tage verwöhnen lassen. Also haben wir ein schönes Hotel auf Rügen gebucht. Gehobenes Segment, gute Bewertungen, tolle Lage. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub.
Der Check-in war freundlich. Allerdings gab es schon die erste kleine Irritation. Obwohl wir unseren Hund bei der Buchung angegeben hatten, wusste man an der Rezeption nichts davon. Kein großes Problem. Aber eben auch kein besonders gelungener Start.
Als wir das Zimmer betraten, war ich überrascht. Nicht, weil etwas fehlte oder weil es nicht sauber gewesen wäre. Es war einfach... kühl. Und damit meine ich nicht die Temperatur. Die Luft war stickig. Das Zimmer wirkte, als wäre es für den nächsten Gast vorbereitet worden. Nicht für uns.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl. Man kann gar nicht genau sagen, woran es liegt. Es ist einfach nichts da, was einen willkommen heißt. Je länger unser Aufenthalt dauerte, desto mehr fiel mir etwas auf. Während der ganzen Zeit hatten wir genau zwei Kontakte zum Hotelpersonal.
Einen beim Check-in. Und einen beim Check-out.
Dazwischen funktionierte alles. Beim Frühstück war Selbstbedienung, sogar den Kaffee holte man sich selbst. Es gab nichts zu beanstanden. Alles war organisiert. Alles lief reibungslos. Und trotzdem fehlte etwas.
Mir geht es dabei gar nicht darum, dass ständig jemand vor Ort sein muss. Ich erwarte keine Rundumbetreuung und auch keinen Gastgeber, der rund um die Uhr verfügbar ist. Ich glaube nur, dass viele Menschen sich wünschen, wahrgenommen zu werden.
Nicht bedient.
Sondern gesehen.
Wenn ich ehrlich bin, ist das im Alltag inzwischen ziemlich selten geworden. Wir bestellen am Terminal, checken online ein, sprechen mit Chatbots und telefonieren mit Sprachmenüs. Alles wird einfacher. Aber oft auch unpersönlicher.
Vielleicht fällt uns genau deshalb auf, wenn echte Gastfreundschaft fehlt.
Auf der Heimfahrt habe ich darüber nachgedacht, warum mich dieses Hotel trotz der schönen Lage und der guten Ausstattung nicht wirklich berührt hat. Und ich glaube, ich habe die Antwort gefunden. Ich werde mich wahrscheinlich weder an das Zimmer noch an das Frühstück erinnern. Aber ich werde mich daran erinnern, dass ich mich die meiste Zeit wie ein Gast unter vielen gefühlt habe.
Genau aus diesem Gedanken heraus sind die 10 Gastmomente entstanden.
Sondern weil ich überzeugt bin, dass echte Gastfreundschaft oft in den kleinen Dingen beginnt. In einem persönlichen Willkommensgruß. Einer liebevollen Empfehlung. Einer kleinen Aufmerksamkeit. Oder einfach in dem Gefühl, dass sich jemand auf seinen Gast gefreut hat.
Ich glaube nicht, dass Gäste Perfektion erwarten. Aber ich glaube, sie merken sofort, ob sie willkommen sind. Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einer Unterkunft, die einfach nur schön ist...
...und einer, zu der Gäste irgendwann gerne zurückkehren. 🌿
Herzlichst Juliane


